Zum Ende der Bronzezeit und in der Eisenzeit (1200 v. Chr. – 800 n. Chr.) fegten die Wellen anhaltender und sehr heftiger Völkerwanderungen, mit Kämpfen und Eroberungen durch Europa bzw. durch das Karpatenbecken.
Die Bewohner der Miskolcer Gegend kennt man seit dieser Zeit schon namentlich, man kann demnach nicht nur von „Kulturen“, sondern von „Völkern“ sprechen. Zur Zeit der Völkerwanderung hausten in dieser Gegend reitende Krieger und Jäger, Waffen schmiedende Cotinus- Kelten, nomadische Szythen, Jazig- Sarmaten, Gepiden und Awaren. Die entdeckten Funde beweisen, dass die Bevölkerung im Tal des Flusses Sajó in Dorfsiedlungen und auf den nahe liegenden Höhen in Erdburgen gelebt hat. Auch an der Stelle der heutigen Steinburg Diósgyõr stand – einzelnen Forschern zufolge – in der Eisenzeit ein solcher Rundwall (gyõr – wie gyûrû, was im Deutschen Ring bedeutet). Andere Quellen weisen darauf hin, dass deutsche Geschichtsschreiber die Awaren- Siedlung als Ring bezeichneten (Die Bezeichnung „gyõr“ kann so auf den Awaren-Ring vor der Landnahme zurückgeführt werden.)
Ein Stamm der von Osten her eintreffenden Szythen nahm im 5. Jahrhundert das Gebiet des heutigen Komitates Borsod ein. Für die Metallkunst der Szythen sind Geräte charakteristisch, die aus Bronze gefertigt wurden (verzierte Spiegel und als Schildverzierung verwendete goldene Hirsche). In einem Fürstengrab, das in der Nachbarschaft von Miskolc, in der Gemeinde Mezõkeresztes– Zöldhalompuszta erschlossen wurde, entdeckte man einen goldenen Hirsch. Dieses Kunstwerk, mit dem Gewicht von 409 g wird der Schildschmuck eines Anführers gewesen sein. Einzelheiten eines typischen Szythen-Friedhofes (mit Urnengräbern) fand man auch im nordöstlichen Teil von Miskolc. Die Szythen kamen aus Frankreich und trafen um 350 v. Chr. in Nordungarn ein.
Sie beschäftigten sich mit Ackerbau und Tierzucht, haben in einer Stammesorganisation gelebt. Der Sitz ihres Stammes, mit dem Namen Cotinus wurde oberhalb von Diósgyõr (auf dem sog. Nagysánc- tetõ – Dach des großen Walls) ausgebaut. Im Bükk-Gebirge förderten sie Eisen. Ein wichtiges Zentrum des Stammes könnte die sog. Nagysánc földvár (Großer-Wall-Erdburg) in Bükkszentlászló gewesen sein (1846 entdeckte man das erste berühmte Fundmaterial, einen aus 367 Stücken bestehenden Münzfund). Der Schatz gelangte nach Wien, wo er sich in einer Privatsammlung befindet.)
Mit der ersten Völkerwanderungswelle haben römische Legionen den Westteil Ungarns besetzt. Aus den von ihnen besetzten Gebieten kamen in unsere Gegend germanische, von Osten her Sarmaten- Volksgruppen. Fundstücke von germanischen Quaden fand man in der Miskolcer Innenstadt (auf dem Erzsébet tér – Elisabeth-Platz und in der Umgebung vom Sötétkapu – dem Dunklen Tor).
Aus der zweiten Völkerwanderungswelle blieben uns die Funde von den Awaren. Die Awaren strömten im 7. und 8. Jahrhundert in unser Gebiet. An der Grenze von Miskolc fand man auf Awaren- Friedhöfen, zahlreichen Schmuck aus Kupfer und Bronze, Eisengeräte und Pferdegeschirr.